Alles über Hanf

A Brief History Of Hemp/Cannabis

Seit über 10.000 Jahren begleitet Hanf die Menschheit durch ihre Historie. Als eine der ältesten kultivierten Nutzpflanzen mit vielfältigsten Anwendungsmöglichkeiten liefert sie Rohstoffe für Kleidung, Seile, Öle, Gebäude, Lebensmittel und – Rauschzustände. Letztere brachten die Pflanze auch immer wieder in Verruf und drängten Sie letztendlich – wenngleich zu Unrecht und von Herstellern von Konkurrenzprodukten forciert – in die Illegalität.

Hanf gehört zur Familie der Hanfgewächse und ist eng mit dem Hopfen verwandt. Er ist eine einjährige und zweihäusige (männliche und weibliche Blüten wachsen auf getrennten Individuen) Pflanze, die in nur 100 Tagen bis zu 4 Metern hoch werden kann und äußerst widerstandsfähig ist. Es gibt nur wenige Krankheiten und Schädlinge, die dem Hanf gefährlich werden können und seine Anspruchslosigkeit ist fast schon einzigartig. Eignen sich die männlichen Pflanzenteile besser zur Produktion von Hanffasern, ist es die weibliche Blüte, welche die psychoaktiven Bestandteile enthält.

Die sehr sonnenliebende Pflanze wurde ursprünglich wohl 12.000 v. Chr. im Herzen Asiens domestizert, in den Steppen der Mongolei, Süd-Sibiriens und Kasachstans. Von dieser Region aus trat der Hanf seinen Siegeszug in die besiedelten Gebiete der Jungsteinzeit an und folgte bei seiner Ausbreitung zunächst den nomadischen Stämmen des Neolithikums und tausende Jahre später den Handelsrouten früher Zivilisationen.

Die ältesten europäischen Funde von Hanfsamen datieren auf etwa 3.500 vor Christus. Über 5.000 Jahre alte verbrannte Hanfsaat findet sich in Grabhügeln sibirischer und chinesischer Völker, und um 2.000 v. Chr. verbreitet sich der Hanf nachweislich bis nach Japan.

Erst dienten die Samen als proteinreiche Nahrungsquelle, doch schnell fanden die Menschen heraus, dass die Fasern der Hanfpflanze, besonders jene der männlichen, sich wunderbar zur Herstellung von Kleidung eigneten. Auch im antiken Griechenland und Ägypten wurde vorwiegend Kleidung aus Hanffasern getragen.
Es dauerte ebenfalls nicht lange, da wurden aus den Stielen die ersten Bögen und aus den Fasern die ersten Bogensehnen produziert und bald ordneten die frühen Kaiser Chinas an, auf gewissen Anbauflächen ausschließlich Hanf zu kultivieren. Jahrhunderte später erwähnt dann auch Karl der Große um 800 den Hanf in einer Landgüterverordnung, der Anbau war allerdings nicht verpflichtend wie bei den Chinesen. Ab etwa 2.800 v. Chr. wurden in China die ersten Hanfseile produziert.

Wenngleich der erste Nachweis von Papier aus Hanffasern erst aus dem Jahr 100 v. Chr. stammt, dürfte das Verfahren zur Herstellung bereits hunderte Jahre vorher entwickelt worden sein. Die Chinesen allerdings hüteten ihr Wissen um die Papierproduktion und so sollte es noch bis Anfang des 13. Jahrhunderts dauern, bis das Hanfpapier den vorderen Orient erreicht, und erst im Jahr 1290 entsteht in Deutschland die erste Papiermühle. Bereits zuvor schrieben Mönche auf importiertem Hanfpapier und im Lichte von Hanföl-Lampen.

Als um 1455 Johannes Gutenberg seine ersten Bibeln druckt, tut er dies auf Hanfpapier, ebenso ist die amerikanische Unabhängigkeitserklärung von 1776 aus Hanfpapier. 1492 bringt Christoph Columbus den Hanf ins neu entdeckte Amerika. Seine Schiffe sind mit Hanftüchern- und seilen ausgestattet, ebenso führt er Hanfsamen und Kleidung mit, die er der indigenen Bevölkerung als Geschenk überlässt. Überhaupt stellt die Schifffahrt einen wichtigen Faktor in der Verbreitung der Cannabis-Pflanze dar: verbesserte Taue und Segeltücher führen dazu, dass die Bedeutung der Seewege als Handelsrouten stetig zunimmt, andererseits verbreiten sich damit auch die Techniken der verbesserten Materialien und somit auch der Anbau von Hanf. Ebenfalls wird der steigende Wohlstand in Frankreich am Ende des 16. Und Beginn des 17. Jahrhunderts auf den Aufbau der Hanf- und Flachsindustrie zurückgeführt.

Zunächst wurden der Samen und die Fasern der Hanfpflanze verwendet, sehr früh jedoch wurde auch die medizinische Wirkung der Cannabispflanze erkannt: ab etwa 4000 vor Christus wurden die Blüten als Heil- und Schmerzmittel verwendet. Ein 2.700 Jahre altes chinesisches Lehrbuch erwähnt Cannabis ans Heilmittel und der im 16. Jahrhundert v. Chr. in Ägypten entstandene Papyrus Ebers erwähnt eine Heilpflanze, die als Cannabis identifiziert werden konnte. Schon Plinius der Ältere, der beim Ausbruch des Vesuv im Jahre 79 ums Leben gekommen ist, riet zur Nutzung von Cannabis als Schmerzmittel und im 3. Jahrhundert empfahl der römische Kaiser Galerius, die Blüten zur Entspannung zu konsumieren. Auch setzte die bekannte Benediktinerin Hildegard von Bingen auf den Einsatz von Hanf und baute ihn im 12 Jahrhundert an. George Washington und Thomas Jefferson waren sowohl Präsidenten der USA als auch Hanfbauern und selbst die Großmutter Europas, Queen Viktoria, nutzte Cannabis zur Linderung von Menstruationsbeschwerden. Um 1900, zum Höhepunkt des medizinischen Hanfgebrauchs, bestanden bis zu 80% der Arzneien in Apotheken aus der Hanfpflanze und Cannabisprodukte waren bis 1898, bis sie von Aspirin verdrängt wurden, in Amerika die am häufigsten benutzten Schmerzmittel.

Nicht unerwähnt bleiben darf natürlich die psychoaktive Wirkung des Cannabis und die Tatsache, dass der Mensch seit jeher auch um diese Bescheid wusste. In erster Linie waren es anfänglich wohl Schamanen und spirituelle Stammesmitglieder, die sich den Hanf zum Zweck der Berauschung zuführten. Eine Grabbeigabe ca. aus dem Jahr 700 v. Chr. belegt die Nutzung als reines Rauschmittel, da sich beinahe ausschließlich weibliche Blüten mit (relativ) hohem THC-Anteil finden. Herodot berichtet vom Volk der Skythen, die die Samen in ihren Zelten auf heiße Steine legten, um sich zu euphorisieren.

Zwar lassen sich medizinische, spirituelle und berauschende Anwendungen bis zur Ächtung der Pflanze in westlichen Kulturen ab dem beginnenden 20 Jahrhundert kaum trennen und überschneiden sich aufgrund der Wirkungsweise. Doch lässt sich erahnen, dass die ersten Coffeeshops, die in den Niederlanden um 1660 gegründet wurden, nicht vornehmlich der Linderung von Schmerzen oder dem spirituellen Erleben gedient haben. Auch der Umstand, dass in acht von 24 Pfeifen aus dem Nachlass eines gewissen William Shakespeare die Überreste verbrannten Marihuanas gefunden wurden, könnte als Indiz für Genusskonsum gelten. Schließlich führte ab dem 19. Jahrhundert die Begeisterung für orientalische Einflüsse dazu, dass Cannabis in Wasserpfeifen konsumiert wurde und 1844 wurde in Paris sogar der Club des Hachichins gegründet, ein „Klub“, dessen lose Mitglieder zusammentrafen um Cannabis zu konsumieren. Unter der Anleitung und Aufsicht des Arztes und Klub-Gründers Jaques-Joseph Moreau konsumierten da illustre Persönlichkeiten wie Victor Hugo, Charles Baudelaire, Honoré de Balzac und Alexandre Dumas bis 1849 das sogenannte Dawamesk, eine Mischung aus Butter, Honig, verschiedenen Gewürzen und Cannabisblüten oder Haschisch.

Nach und nach wurde Cannabis in Form von Marihuana oder Haschisch immer mehr zu Vergnügungs- und Rauschzwecken konsumiert. Vor der Abschaffung der Sklaverei in den USA nahmen Plantagenarbeiter das Cannabis zu sich, um sich von den Strapazen des Sklavendaseins abzulenken und nach dem Sezessionskrieg, der bekanntlich das Ende der Barbarei wenigstens in Nordamerika bedeutete, trugen die Arbeiter das Cannabis in die um 1900 entstehenden Musik-Clubs, in denen Dixieland-Jazz gespielt wurde.

Hier erhielt es die Bezeichnung Reefer und löste das sogenannte Marihuana-Fieber (Reefer Madness) aus. Zur selben Zeit stieg auch der Alkoholkonsum in Amerika und beides blieb der Politik nicht verborgen.

Ab 1911 wurde Cannabis in vielen Südstaaten der USA verboten. 1920 folgt dann das Verbot von Alkohol, und während der Prohibition sorgten unzählige Polizisten für eine vermeintlich erfolgreiche Trockenlegung von nach Schnaps dürstenden Kehlen. Bekanntlich aber hielt sich die gesetzliche Absage an den Alkohol lediglich bis 1933, und mit der Abschaffung der Prohibition wurden polizeiliche Kapazitäten frei, deren sich nun ein Mann bedienen konnte, dessen Abneigung gegen Drogen – insbesondere Cannabis – sich durch sein gesamtes Berufsleben ziehen sollte: Harry J. Anslinger.

1930 wurde er zum Leiter des Federal Bureau of Narcotics (FBN) ernannt und begann sofort damit, in öffentlichen Kampagnen Stimmung gegen Cannabis zu machen. Tatkräftig unterstützt wurde er dabei von William Randolph Hearst, einem Medienmogul im Besitz zahlreicher Zeitungen.

Doch Hearst besaß nicht nur Zeitungen und Radiosender, er war auch Wald- und Papiermühlenbesitzer. Die Hanfindustrie erstarkte zu dieser Zeit zusehends und stellte einen großen Konkurrenten der Holz-, Baumwoll- und chemischen Industrie dar, und Hearst ließ, wie Anslinger und der Chemiekonzern DuPont, nichts unversucht, Hanf und alle Produkte daraus zu verteufeln und in ein schlechtes Licht zu rücken.

Immerhin lag der Weltmarktanteil von Hanfpapier um 1900 bei ca. 80%, und ein großer Teil der Lack- und chemischen Industrie basierte auf Hanfölen. Wer Cannabis konsumiere verwandle sich in kürzester Zeit in ein instinktgetriebenes, vergewaltigendes und mordendes Tier, wurde behauptet. Anslinger schaffte es in wenigen Jahren, mithilfe der Hearst-Presse und DuPont die bis dahin positive Wahrnehmung der Hanfwirtschaft ins Gegenteil zu verkehren. Sein Wirken gipfelte – vorerst – im Marihuana Tax Act von 1937, welcher den Konsum von Cannabis in den USA gänzlich unter Strafe stellte. Doch Anslingers Treiben war damit noch kein Ende gesetzt:

1947 wurde er Mitglied der UN-Drogenkommission, und auch hier war er nach Jahren eifriger Arbeit erfolgreich. 1961 wurde das Einheitsabkommen über die Betäubungsmittel verabschiedet, welches von über 180 Ländern ratifiziert worden ist. Diese UN-Konvention ist bis heute die gesetzliche Grundlage der meisten Länder für ein nahezu weltweites Cannabisverbot, welches erst in den letzten Jahren in Teilen der Welt (USA, Europa) gelockert wurde.

“der Werner”