Was ist eigentlich der genaue Unterschied zwischen THC und CBD und gibt es noch andere Stoffe im Cannabis? Wenn du dich auch schon immer gefragt hast, warum manche Cannabis-Produkte legal sind und manche nicht – dann ist dieser Beitrag für dich. Die Hanfpflanze beinhaltet nämlich viele verschiedene Wirkstoffe, sogenannte Cannabinoide, die sich in ihrer Wirkung stark unterscheiden. Hier erfährst du, welche wichtigen Cannabinoide es gibt, was deren Eigenschaften sind und welches medizinische Potenzial in ihnen steckt.

Was sind Cannabinoide?

Der Begriff „Cannabinoide“ bezeichnet eine Gruppe von Wirkstoffen, die in der Cannabis-Pflanze vorkommen. Die Hanfpflanze enthält mindestens 113 verschiedene Cannabinoide, welche sich jeweils unterschiedlich auf den menschlichen Körper auswirken: Manche haben zum Beispiel einen berauschenden Effekt, andere nicht. Mittlerweile ist es möglich, Cannabinoide künstlich herzustellen, und es gibt auch Hinweise, dass sie noch in anderen Pflanzen enthalten sind. Und sogar im Körper selbst werden diese Stoffe produziert.

Strenggenommen sind Cannabinoide also bestimmte chemische Stoffe, die vor allem in der Cannabis-Pflanze auftreten, aber auch sonst vorkommen. Je nach Herkunft kann man zwischen den sogenannten „Phytocannabinoiden“ (pflanzlicher Ursprung), „Endocannabinoiden“ (körpereigene Produktion) oder „synthetischen Cannabinoiden“ (künstliche Herstellung) unterscheiden.

Welche Cannabinoide gibt es?

Die bekanntesten Cannabinoide sind THC und CBD und über die medizinische Wirksamkeit gibt es auch am meisten Studien. THC ist verantwortlich für die berauschende Wirkung, die man mit Cannabis assoziiert, und unterliegt daher dem Suchtmittelgesetz in Österreich bzw. dem Betäubungsmittelgesetz in Deutschland. Das heißt, dass es verboten ist, Produkte mit höherem THC-Gehalt mitzuführen oder damit zu handeln. In Österreich sind Produkte mit einem THC-Gehalt bis 0,3% legal. Für die Herstellung von THC sind die weiblichen Hanfpflanzen notwendig.

Was sind Cannabinoide?

Die bekanntesten Cannabinoide sind THC und CBD.

Alle anderen Cannabinoide dürfen in Österreich legal verkauft werden, da sie keine oder kaum eine psychoaktive (= bewusstseinsverändernde) Wirkung haben. Allerdings gibt es verschiedene Richtlinien, in welcher Form sie gehandelt werden dürfen. Bei vielen Cannabis-Wirkstoffen gibt es Hinweise auf positive medizinische Effekte, aber es existieren nicht immer ausreichend Studien, um das nachzuweisen.

Die Zusammensetzung der Wirkstoffe variiert von Pflanze zu Pflanze. Wie viel von den einzelnen Substanzen in der Pflanze vorkommt, hängt von mehreren Faktoren ab: der Pflanzensorte, wo die Pflanze wächst, wie lange sie gelagert wurde etc.

Liste von wichtigen pflanzlichen Cannabinoiden

Abkürzungvoller NamePsychoaktive WirkungGilt als SuchtgiftSonstiges
THC Delta-9-Tetrahydro-cannabinolJaJaVerantwortlich für die berauschende Wirkung, die man mit Cannabis verbindet. Auch medizinische Wirkungen werden mittlerweile erforscht.
CBD CannabidiolNur sehr schwachNeinEs werden einige medizinische Wirkungen diskutiert: Soll z. B. schlaffördernd, krampflösend, entzündungshemmend wirken.
CBN CannabinolLeichtNeinIn den frisch gepflückten Pflanzen nur wenig enthalten, entsteht bei der Lagerung.
CBCCannabichromenNeinNeinKann entzündungshemmend und schmerzstillend wirken.
CBG CannabigerolNeinNeinVor allem im jungen Wachstumsstadium der Cannabispflanze vorhanden, bei älteren Pflanzen nur wenig.
CBDV CannabidivarinNeinNeinIn Pflanzen aus Nordindien und aus Nepal in höherer Menge vorhanden, möglicherweise wirksam gegen bestimmte Formen von Epilepsie.
THCV Tetrahydro-cannabivarinSchwachNeinVermindert vermutlich den psychoaktiven Effekt von THC, in den meisten Cannabis-Pflanzen ist nur sehr wenig enthalten.

Cannabinoid-Rezeptoren und körpereigene Cannabinoide

Cannabinoide wirken im menschlichen Körper, indem sie an Rezeptoren andocken. Unter Rezeptoren versteht man Zellteile, die auf bestimmte Reize reagieren. Diese speziellen Cannabinoid-Rezeptoren werden also durch die Cannabis-Wirkstoffe aktiviert. Die Stimulation der Cannabinoid-Rezeptoren wirkt sich dann auf verschiedene Körperfunktionen aus, wie zum Beispiel den Schlaf, die Schmerzempfindung, die Stimmung oder Hungergefühle. Es gibt zwei verschiedene Cannabinoid-Rezeptoren:

  • Typ-1-Cannabinoid-Rezeptoren: Sie treten vor allem im zentralen Nervensystem und im Gehirn auf. Deshalb könnten Cannabinoide unter anderem bei Nervenkrankheiten wirksam sein, wie der Parkinson- oder der Alzheimer-Krankheit.
  • Typ-2-Cannabinoid-Rezeptoren: Sie kommen vor allem im Immunsystem vor, aber auch im Verdauuungs- und Fortpflanzungssystem, in Knochen, Haut, Lunge hormonalen Drüsen oder den Augen.

Außerdem stellt unser Körper sogar selbst Cannabinoide her, die sogenannten „Endocannabinoide“ (griechisch „endo“ = innen). Die Rezeptoren und die körpereigenen Cannabinoide bilden gemeinsam das „endocannabinoide System“, das erst in den 90er-Jahren entdeckt wurde. Die genaue Funktionsweise von diesem System ist bis heute nicht komplett geklärt. In den letzten Jahren wurden aber zahlreiche Studien zur Wirkung von Cannabis-Substanzen publiziert und es werden vielfältige medizinische Wirkungen diskutiert.

Übrigens!
Wusstest du, dass die körpereigenen Cannabinoide sogar in der Muttermilch vorkommen? 

Synthetische vs. natürliche Cannabinoide

Die verschiedenen Cannabinoide kommen einerseits natürlich in der Cannabispflanze vor, andererseits kann man sie mittlerweile auch künstlich herstellen. Synthetische Cannabinoide sind Stoffe, die ähnlich wirken wie THC bzw. andere natürliche Cannabinoide und an die Cannabinoid-Rezeptoren andocken. Jedoch werden diese nicht aus der Cannabispflanze gewonnen, sondern im Labor hergestellt.

Synthetische Cannabinoide gelten rechtlich als „neue psychoaktive Substanzen“, sofern sie eine rauschhafte Wirkung erzeugen. Häufig werden sie auf getrocknete Pflanzen aufgetragen und als Kräutermischung verkauft. Bekannte Verbindungen sind zum Beispiel JWH-018, AM-1220 und UR-144. Besitzen sie eine berauschende Wirkung, dann sind sie im Regelfall auch nicht legal. Die Wirkung von synthetischen Cannabinoiden kann sehr unterschiedlich sein und besonders bei nicht kontrollierten Herstellern ist Vorsicht geboten: Die Wirkstoffkonzentration schwankt stark und die genaue Zusammensetzung der Substanz ist häufig unklar. Dadurch kann es leicht zu unabsichtlicher Überdosierung und schweren Nebenwirkungen kommen.

Die künstliche Produktion von Cannabinoiden kommt aber auch in der Medizin zum Einsatz. Die Medikamente Dronabinol und Nabilon enthalten zum Beispiel synthetisches THC. Sie sollen bei Übelkeit und Erbrechen während einer Chemotherapie helfen, wenn andere Medikamente nicht wirken. Im medizinischen Bereich ist die Herstellung natürlich streng kontrolliert und standardisiert. Der Vorteil von künstlichen Cannabinoiden ist hier, dass der Wirkstoff ganz genau dosiert werden kann.

Wirkungen und Nebenwirkungen von Cannabinoiden

Welche Wirkungen oder Nebenwirkungen Cannabis hat, hängt immer von den spezifischen Substanzen ab. Je nach dem enthaltenen Cannabinoid unterscheiden sich auch die Effekte. Im Folgenden findest du die spezifischen Wirkungen und Nebenwirkungen der Cannabinoide THC sowie CBD.

Wirkungen von THC

Die wohl bekannteste Kurzzeit-Wirkung von THC ist ein psychisches „Hochgefühl“: Die Stimmung wird euphorisch, zusätzlich stellt sich ein Gefühl der Leichtigkeit und Entspannung ein. Weitere Effekte sind langsamere Bewegungen, ein schlechteres Gedächtnis und eine Appetitsteigerung. Als besonders negativ erlebte Wirkungen bzw. Nebenwirkungen können gerötete Augen, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Angst und Panik, Übelkeit sowie Schwindel auftreten.

Nebenwirkungen von Cannabinoide

Die wohl bekannteste Wirkung von THC ist das Gefühl von Leichtigkeit und Entspannung.

In seltenen Fällen können durch THC-Konsum auch Halluzinationen und Psychosen ausgelöst werden. Bei längerfristigem Konsum können auch unerwünschte Wirkungen wie Aktivitätsverlust und psychische Abhängigkeit die Folge sein. Die Wirkung von THC schwankt jedoch individuell und hängt auch stark von der Art und Weise des Konsums ab.

Im medizinischen Bereich werden zahlreiche therapeutische Wirkungen von THC diskutiert. So soll es zum Beispiel entzündungshemmend, antiallergisch, gegen Übelkeit und Schmerzen sowie appetitanregend wirken. Gut belegt ist die Effektivität gegen chronische Nervenschmerzen sowie die Linderung von Spastiken bei Multipler Sklerose.

Wirkungen von CBD

CBD werden zahlreiche positive gesundheitliche Wirkungen zugesprochen, wovon einige auch bereits in wissenschaftlichen Studien belegt wurden. Es soll unter anderem entkrampfend, entzündungshemmend, angstlösend, anti-oxidativ und gegen Übelkeit wirken. Besonders bei folgenden Beschwerden gibt es positive Erfahrungsberichte mit CBD:

  • Entzündungen
  • Stress, Angst und Nervosität
  • Schlafstörungen
  • Krämpfen
  • geschwächtes Immunsystem

Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen forschen intensiv, ob und wie sich CBD zur Therapie verschiedener Krankheiten eignet. Bestätigt ist mittlerweile der Nutzen von CBD in der Therapie von manchen Epilepsie-Formen und CBD wurde hierfür als offizielles Medikament zugelassen. Die Weltgesundheitsorganisation vermutet außerdem einen Gesundheitsnutzen von CBD bei Alzheimer, Multipler Sklerose, Depressionen sowie weiteren Krankheiten.

Von der EU wurde CBD mittlerweile als Novel Food eingeordnet: Das bedeutet, dass erst überprüft werden muss, ob es für den menschlichen Verzehr geeignet ist. Bis das geklärt ist, dürfen CBD-Produkte nicht als Lebensmittel beworben und verkauft werden.

Medikamente aus Cannabinoiden

Cannabispräparate werden seit Jahrhunderten zu therapeutischen Zwecken eingesetzt, zu Beginn des 20. Jahrhunderts verloren sie aber an Bedeutung. Erst, als man das körpereigene Cannabinoid-System entdeckte, kam es wieder zu gesteigertem Interesse an der medizinischen Nutzung von Cannabis. Mittlerweile existieren zahlreiche Studien zu den medizinischen Effekten von THC und CBD – allerdings sind die Ergebnisse bei vielen Krankheiten noch nicht eindeutig.

CBD: So wird CBD angewendet

Cannabinoide können einen schmerzlindernden Effekt haben.

Ärzte können in Österreich und Deutschland Cannabispräparate gegen bestimmte Beschwerden verschreiben. In Österreich sind zur Zeit drei Cannabinoid-Wirkstoffe verschreibungsfähig: Dronabinol, Nabilon und Nabiximols. Eine positive medizinische Wirkung von Cannabis-Präparaten ist wissenschaftlich belegt bei:

  • chronischen Schmerzen
  • Reduzierung von Spasmen bei Multipler Sklerose
  • Schmerzlinderung bei chronischen Nervenschmerzen
  • Epilepsie
  • Übelkeit während der Chemotherapie
  • Appetitsteigerung bei HIV/Aids

Bei schwerwiegenden Erkrankungen sollte selbstverständlich eine sorgfältige Diagnose und Therapie durch den Facharzt erfolgen.

Schmerztherapie mit Cannabinoiden

Wie bereits erwähnt, können Cannabinoide einen schmerzlindernden Effekt haben und in der Schmerztherapie zur Anwendung kommen. So ist wird vermutet, dass CBD Entzündungen im Körper eindämmt und die Muskeln entspannt. Bei entzündungsbedingten Schmerzen oder Verspannungen könnte also eine Behandlung mit CBD Linderung verschaffen. Auch krampfartige Schmerzen, zum Beispiel während der Menstruation oder Migräne können sich durch den Einsatz von CBD verbessern.

In der medizinischen Therapie von chronischen Schmerzen wird aber auch das wesentliche heiklere THC verwendet. Ein Kombinationspräparat aus CBD und THC kann unter bestimmten Umständen chronische Nervenschmerzen lindern. Es wird aber nur eingesetzt, wenn andere Schmerzmittel nicht mehr helfen und muss ärztlich verordnet werden.

„Cannabinoide“ ist also ein Obergriff für die Wirkstoffe der Cannabispflanze. Diese Cannabinoide können auch künstlich hergestellt werden und sogar im Körper vorkommen. Die wichtigsten Cannabinoide sind THC und CBD. Dabei ist der wesentliche Unterschied zwischen den beiden, dass THC die bekannte berauschende Wirkung verursacht, CBD jedoch nicht. Sowohl bei THC als auch für CBD gibt es viele Hinweise auf positive medizinische Effekte. Gerade für CBD wird eine anti-entzündliche, entkrampfende und übelkeitshemmende Wirkung vermutet. Außerdem wurde die Verwendung von CBD in normaler Menge als sicher und unbedenklich eingestuft.

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