Vielleicht habt ihr es auch schon mal irgendwo gelesen: Erlaubt ist in Österreich und Deutschland nur der Anbau von sogenanntem Nutzhanf. Aber was gilt eigentlich genau als Nutzhanf und wo liegt der Unterschied zu anderen Cannabis-Arten? Wer darf ihn anbauen und was lässt sich daraus herstellen? Das und vieles mehr erfahrt ihr in diesem Artikel!

Was ist Nutzhanf?

Nutzhanf heißen im Prinzip alle Hanfsorten, die nicht als Rauschmittel oder Medikament verwendet werden. Es handelt sich also sozusagen um den braven kleinen Bruder der THC-reichen Sorten. Nutzhanf darf in Österreich höchstens 0,3 % THC enthalten (in Deutschland 0,2 %) und hat meistens einen sehr hohen Anteil an Fasern (ca. 30-40 %). Trotz seines etwas biederen Namens hat der Nutzhanf aber jede Menge Potenzial! Denn die Pflanze wächst schnell, ist äußerst widerstandsfähig und benötigt keine Pestizide. Ob als Rohstoff für umweltfreundliche Textilien und Dämmstoffe, gesundes Hanfsamenöl oder wohlriechende Aromablüten: Der Nutzhanf ist eine wahre Wunderpflanze, dessen Einsatzmöglichkeiten bei Weitem noch nicht ausgeschöpft sind.

Kurze Geschichte des Nutzhanfs: vom Hero zum Zero – und wieder zurück?

Hanf ist eine der ältesten Nutzpflanzen der Menschheit, und dass sich aus Hanf hervorragender Stoff gewinnen lässt, wussten die Menschen seit der Antike: Bereits die alten Griechen kleideten sich gern in Textilien aus Hanf. Im Mittelalter und der frühen Neuzeit verwendete man Hanf außerdem, um Papier herzustellen. Wusstest du, dass sowohl die Gutenberg-Bibel als auch die amerikanische Unabhängigkeitserklärung auf Hanf-Papier gedruckt bzw. geschrieben wurden?

Besonders gern verwendete man Hanf in der Schifffahrt: Da die Hanfpflanze sehr widerstandsfähige, lange Fasern enthält, ist sie der ideale Rohstoff für robuste Seile, Taue und Segel. In der Hochphase der Seefahrt im 17. Jahrhundert erlebte Hanf deshalb einen regelrechten Boom! Gegen Anfang des 20. Jahrhunderts begann sich dann aber die Baumwolle immer mehr durchzusetzen. Außerdem bekam der Hanf langsam ein Imageproblem: Im Zuge einer größeren Kampagne gegen Cannabis wurde 1937 der Anbau von Hanf in den USA komplett verboten.

Hanf hatte damit in den folgenden Jahren immer stärker das Image einer gefährlichen Drogenpflanze. Auch in Europa ist der Anbau von Hanf noch immer stark reglementiert. Mittlerweile ist es jedoch erlaubt, den THC-armen Nutzhanf anzubauen, und es werden immer mehr Stimmen laut, die auf die zahlreichen Vorzüge der Cannabispflanze hinweisen.

Was ist Nutzhanf?

Hanf ist ein wahrer Alleskönner und eine der ältesten Nutzpflanzen der Menschheit.

Alleskönner Nutzhanf: Verwertung von Blüten, Samen, Fasern und Wurzeln

Nutzhanf ist eine äußerst vielseitige Pflanze und es lassen sich alle Teile verwerten: von den Wurzeln über den Stängel bis zu den Fasern und Blüten. Hier eine kurze Übersicht, was sich aus Nutzhanf alles herstellen lässt:

Wurzeln

Hanf ist ein sogenannter „Tiefwurzler“ und bildet sehr lange, verzweigte Wurzeln aus. Aus dem Wurzelmaterial lassen sich Salben und Tinkturen erzeugen, die man zum Beispiel für die Wundheilung oder bei Verbrennungen einsetzen kann.

Fasern

Die Fasern sind historisch gesehen der wichtigste Teil des Nutzhanfs. Es lassen sich daraus zahlreiche Produkte herstellen, wie etwa Seile, Textilien, Dämmstoffe, Tiereinstreu oder Papier. Heutzutage ist die Papierindustrie einer der größten Abnehmer für Nutzhanf – durch die langen, widerstandsfähigen Fasern ist Hanfpapier robuster als Papier aus Holz. Ein neues Einsatzgebiet für Hanf sind hanffaserverstärkte Kunststoffe: So könnte es in naher Zukunft zum Beispiel Lego-Steine aus Hanfplastik geben.

Blätter

Aus den getrockneten Hanfblättern lässt sich einerseits ein wohlschmeckender Tee herstellen. Durch Destillation der Blätter kann man ätherische Öle gewinnen. Immer mehr im Kommen sind auch Säfte oder Smoothies aus den frischen, grünen Blättern.

Alleskönner Nutzhanf: Verwertung von Blüten, Samen, Fasern und Wurzeln

Hanfsamen können vielseitig eingesetzt werden und sind dazu noch gesund.

Samen

Die Nutzhanf-Samen gelten als äußerst nährstoffreich und gesund: Die kleinen Kraftpakete enthalten viele ungesättigte Fettsäuren, Proteine und Mineralstoffe. Außerdem sind sie eine gute Quelle für Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren.

Neben der Verwendung in purem Zustand (im Müsli oder zum Knabbern) kann man sie zu Hanföl, Hanfmehl oder Hanfmilch verarbeiten.

Blüten

Die Hanfblüten sind reich an den aromatischen Terpenen und man schätzt sie wegen ihres fruchtigen, angenehmen Dufts. Deshalb werden sie gerne als Aromaspender eingesetzt.

Übrigens: Im Hanf liegt großes Potenzial für nachhaltige Kleiderproduktion. Die Hanfpflanze wächst schnell, sodass Unkraut keine Chance hat. Man benötigt deshalb beim Anbau keine umweltschädlichen Pestizide. Außerdem lässt sich Hanf regional in Europa anpflanzen und benötigt viel weniger Wasser als beispielsweise Baumwolle. Auch auf den Boden wirkt sich Hanf positiv aus: Seine tief wachsenden Wurzeln lockern die Erde und er sorgt für langfristig fruchtbare Felder.

Hanfmilch aus Hanfsamen selbst herstellen: So geht‘s

Milch aus Nutzhanf-Samen ist eine hervorragende und ökologische Alternative zur Kuhmilch. Hanfmilch gilt als eine der gesündesten Pflanzenmilch-Sorten überhaupt.

Du kannst die Milch aus Hanfsamen ganz einfach selbst machen – wir zeigen dir wie!  Du brauchst dazu:

  • 500 Milliliter Wasser
  • 5 Esslöffel geschälte Hanfsamen
  • Etwas Agavendicksaft oder Dattelsirup zum Süßen
  • Eine halbe ausgekratzte Vanilleschote

Alle Zutaten in einen Standmixer oder Blender geben. Dann 2-3 Minuten mixen. Fertig ist deine selbstgemachte, leckere Hanfmilch! Du kannst die Hanfmilch pur trinken, ins Müsli geben, Kakao damit zubereiten und vieles mehr. Natürlich kannst du die Milch auch ganz ohne Süßungsmittel herstellen.

Tipp: Als Alternative kann man auch ungeschälte Hanfsamen verwenden, dann muss die Flüssigkeit aber zusätzlich durch ein feines Tuch gefiltert werden.

Hanfmilch selber herstellen

Du kannst die Hanfmilch ganz einfach als Milchersatz verwenden – zum Beispiel in deinem Kaffee.

Nutzhanf anbauen in Deutschland und Österreich: Wann ist es legal?

Wer Nutzhanf in Deutschland oder Österreich anbauen will, muss sich an eine Reihe von Vorschriften halten: Es ist zwar legal, aber streng reglementiert. Wie baut man Nutzhanf also an? Generell darf man nur als lizenzierter Landwirt Nutzhanf anbauen. Privatpersonen dürfen keine Cannabis-Pflanzen züchten, egal wie niedrig ihr THC-Gehalt ist und unabhängig davon, ob die Pflanze männlich oder weiblich ist. Erlaubt ist also lediglich der Anbau durch landwirtschaftliche Unternehmen.

Diese müssen die Hanf-Plantage außerdem bei den Behörden anmelden und dürfen nur zertifizierte Sorten aus dem EU-Sortenkatalog anpflanzen. In diesen Katalog werden lediglich THC-arme Varianten aufgenommen. Er enthält momentan rund 50 verschiedene Sorten. Überschreitet eine Sorte den THC-Schwellenwert wiederholt, dann wird sie aus dem Katalog ausgeschlossen. Und zusätzlich muss der Hanf-Bauer oder die Hanf-Bäuerin die Nutzhanf-Blüte im Vorhinein melden. Man sieht also, dass der Anbau von Nutzhanf immer noch etwas misstrauisch von der Behörde überwacht wird. Wir von Dr. Greenthumb wünschen uns in Zukunft einen informierten, entspannteren Zugang zum Nutzhanf – damit noch mehr Menschen in den Genuss der bekömmlichen Wirkung dieser Pflanze kommen.

Nutzhanf und CBD: Was ist der CBD-Gehalt im Nutzhanf?

Seit einiger Zeit wird Nutzhanf auch für die Herstellung von CBD-haltigen Produkten verwendet. Nutzhanfsorten dürfen zwar kaum THC enthalten, sind jedoch durchaus reich an anderen Cannabinoiden, wie etwa Cannabidiol (CBD). Beliebt für die Produktion von CBD-Produkten sind etwa die Sorten Finola, Felina und Futura.

Nutzhanf als dekorative Zimmerpflanze – legal oder nicht?

Nutzhanf als Zimmerpflanze

In Deutschland darf die Hanfpflanze nicht zu Dekozwecken verwendet werden. In Österreich schon, allerdings darf die Pflanze nicht blühen.

Immer wieder fragen sich Hanf-Fans, ob sie sich ihre Lieblingspflanze zu Dekozwecken ins Wohnzimmer stellen dürfen. Ist es legal, den harmlosen Nutzhanf als Zimmerpflanze zu platzieren? Die kurze Antwort: in Deutschland nein, in Österreich vielleicht.

In Deutschland ist es derzeit als Privatperson komplett verboten, Hanf anzupflanzen – egal, ob als Nutzhanf oder Rauschmittel. In Österreich darf man tatsächlich Hanfpflanzen (auch THC-reiche Sorten) besitzen, solange man sie nicht zur Blüte bringt.

Also: Wer in Österreich Hanf als Zierpflanze besitzt, bewegt sich im legalen Rahmen – muss aber verhindern, dass der Hanf zu blühen anfängt.

Nutzhanf-Blüten kaufen: Darauf musst du achten

Die Blüten des Nutzhanfs werden aufgrund ihres fruchtigen Dufts geschätzt und lassen sich in zum Beispiel in Aroma-Lampen verwenden. Für alle, die großen Wert auf naturbelassene Produkte legen, sind Hanfblüten eine ideale Wahl. Wer Nutzhanf-Blüten kaufen möchte, sollte aber auf einige Punkte achtgeben. Diese Qualitätsmerkmale sollten deine Aromablüten mitbringen:

  • Zertifiziert nach dem EU-Sortenkatalog: Natürlich müssen die Blüten aus dem Katalog der zertifizierten EU-Sorten sein – nur dann ist ihr Verkauf legal!
  • Aus kontrolliertem Bio-Anbau: Schließlich möchtest du ein bekömmliches Naturprodukt erwerben, das deinem Körper guttut!
  • Regionale Produktion: Auch beim Hanf solltest du heimische Produkte bevorzugen, die umweltschonend hergestellt werden.

 

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